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L300 4x4 Turbodiesel hintere Bremsen und Regler

Worum gehts?

Im Bucheli ist zwar der Komplettausbau bzw. die Zerlegung beschrieben, nicht aber der Tausch der Leitungen und das Entlüften im Detail.
Der Besitz des Bucheli oder einer Reparaturanleitung ist hier nicht Voraussetzung.

Bei Fahrzeugen mit ABS unbedingt darauf achten dass die Hydraulikeinheit des ABS nicht leer läuft!

Bremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile (vorsichtig gesprochen), man sollte also wissen was man tut bevor man da drangeht, und das auch schon mal bei anderen Fahrzeugen erfolgreich getan haben - sonst lieber unter Aufsicht eines erfahrenen Freundes werkeln !!!



Spezialwerkzeug

  • Bremsleitungsschlüssel SW 10 und 12
  • schön wäre ein Unterdruck-Entlüftungsgerät
  • Einweghandschuhe und Papiertücher
  • 2-3 Einwegdosen zum Auffangen der Bremsflüssigkeit
  • Wenn vorhanden: alte Anschlüsse samt umgebogener Leitung, zum Abdichten, wie links gezeigt
  • Helfer zum Bremse entlüften

Daten zu den Bremsleitungs-Schrauben:
Gewinde M10x1
Schlüsselweite 10 mm
Länge über alles: 16 mm, davon 10 mm Gewindelänge
Durchmesser Bremsleitung außen: 4,5 mm
Durchmesser Nippel außen: 7 mm

Bremsleitungen:
Lange Leitungen von Fahrzeugmitte nach hinten (mit etwas Zugabe): 192 cm und 188 cm
Kurze Leitung vom Bremskraftregler zum Schlauch

Leitungen an der Hinterachse: (mit etwas Zugabe): 174 cm und 64 cm




Vorderer Anschluss der langen Leitungen - merken an welchen Anschluss die obere Leitung geht!


Ein Anschluss des Bremsschlauches

 1. L300 hinten aufbocken oder auf Auffahrrampen fahren. Platz braucht man eher auf der linken (Fahrer-) seite, da laufen die Bremsleitungen neben dem Tank.

2. Fotos machen von allem was man demontieren will.

2a. Kriechöl überall auf die Anschlüsse und Halterverschraubungen und einwirken lassen. Eventuell wiederholen wenn die Zeit dafür da ist (idealerweise über Nacht).

3. Bremsleitungen an ihren Anschlüssen markieren ... was gehört wohin? Auch nochmal etwa 10 cm nach dem Anschluss. mit Farbtupfern, Klebeband oder durch Einritzen.

4. Halteschellen der Leitungen lösen.

5. Anschlüsse öffnen: Wenn man die Anschlüsse mit dem Bremsleitungsschlüssel oder einem Engländer aufbekommt - gut. Sonst mit einem großen Saitenschneider die Bremsleitungen etwa 5 cm nach dem Anschluss durchtrennen. Dann kommt man schön mit einem Ringschlüssel drüber ... Oder direkt am Anschluss dann passt auch eine Stecknuss. Die modernen flankengreifenden Nüsse sind da am vielversprechendsten. Ganz hoffnungslose Fälle packe ich mit der Grippzange (kommen eh neu) die noch richtig scharfe Zähne im Maul hat ... eventuell vorher nachfeilen ... Linksrum gehen die Anschlüsse auf.

5. Dose unterstellen, Lappen bereithalten. Bremsflüssigkeit ist aggressiv ... Kommt später zur Sondermüll-Sammelstelle. NICHT wiederverwenden!

6. Bremsleitungen ausfädeln und entnehmen.

7. Wenn Bremsschlauch auch getauscht werden soll: Halteclips herausziehen (Zange) und Schlauch ausfädeln.

 


Hier nochmal von weiter weg ...


Der obere Bremsschlauchanschluss

8. Wenn der Bremskraftregler nicht mehr soo gut aussieht und man die Entlüfterschraube am Ende nicht leicht aufbekommt (Gummikappe drauf), dann das Ding auch ausbauen: Feder aushängen und zwei Schrauben lösen, dann kommt er schon herunter.

9. Ersatzteile holen: Mit den kompletten alten Leitungen hübsch in Plastik verpackt gehts zum Kfz-Spezialisten der Bremsleitungsanfertigung bietet. Dort nach Muster neue Leitungen machen lassen, idealerweise aus Cunifer oder ähnlicher Kupfer-Nickel-Eisen-Legierung (praktisch nichtrostend und schön weich zum selberbiegen). Bremsschlauch nach Länge oder Modell raussuchen lassen, muss nicht original sein, notfalls ein paar cm länger nehmen. Ich hab für den EL einen Nachbauschlauch vom Shogun/Pajero bekommen (Originalnummer MB150761), der hat zum Schutz sogar noch eine Metallspirale drüber ... (Fa. Magdalenz in Graz).
Dort nimmt man auch einen halben Liter DOT4 Bremsflüssigkeit mit falls nicht daheim vorhanden. Die alten Leitungen wieder mit nach Hause nehmen!

10. Bremskraftregler: das Wunderdings leitet mehr Bremskraft auf die Hinterräder wenn der EL hinten schwer beladen ist, und weniger bei einer Vollbremsung - da wird nämlich die Hinterachse leicht infolge Gewichtsverlagerung, und würde rasch blockieren (Schleudergefahr). Da ganze funktioniert mit einer einfachen Feder, die den Einfederzustand an den Regler übermittelt. Dieser hat drei Anschlüsse: zwei von vorne kommend, und EINE die zur Hinterachse geht, ans linke Rad. Von dort hinüber zum rechten Rad wo dann der Entlüfternippel sitzt. Weil: der L300 hat (vorgeschriebenerweise) eine Zweikreisbremsanlage. Ein Bremskreis = vorne, ein Bremskreis = hinten. Die zweite Bremsleitung von vorne zum Regler checkt, ob vorne Bremsdruck da ist - falls nicht, macht der Bremskraftregler auf und leitet die Bremskraft zu 100% an die Hinterachse durch anstatt sie zu reduzieren ... nützlich wenn vorne eine Leitung bricht ... Was an dem Ding überprüft werden sollte ist die Entlüfterschraube ... rausschrauben und durchblasen, sollte durchgängig sein. Die Entlüfterschraube an meinem Bremskraftregler war ohne Gummikappe, ziemlich verrostet demnach, und nicht als solche erkennbar. Erst nach Demontage des Reglers, in den Schraubstock geklemmt, aufzubekommen

11. Wenn die Federclips vom Bremsschlauch schon brüchig sind gibts Ersatz beim Mitsubishihändler, detto für die Gummikapperl der Entlüfternippel.

12. Neue Leitungen kommen gerade und werden daheim nach dem Muster der alten Leitungen in Form gebogen. Das geht am einfachsten wenn man sie parallel in den Schraubstock spannt, finde ich.

13. Zusammenbauen, in umgekehrter Reihenfolge. Dazu drei Tipps:
a) Von der rechten Bremstrommel aus anfangen, jedenfalls wenn noch Bremsflüssigkeit im temporär verschlossenen System ist. Dann gibts erst beim allerletzten Anschluss eine Sauerei ...
b) Zum anschließen einer starren Leitung an einen Bremsschlauch den Halteclip entfernen, damit findet man leichter ins Gewinde. Zum festziehen kommt der Clip wieder rein. Die Gewinde behandle ich zuvor mit Kupferpaste.
c) der untere Anschluss der linken Bremstormmel geht zum Bremsschlauch (da kommt das 62-64 cm Stück hin).

14. Bremse entlüften: Entlüftungspunkte sind vorne jeweils an den Bremssätteln, hinten rechts über dem Eingang der Bremsleitung in die Bremsankerplatte, und hinten links-mittig am höchsten Punkt des Bremskraftverteilers.
Über diesen Entlüftungspunkt schweigt sich Bucheli aus - im L040 Werkstatthandbuch aus dem Motorbuchverlag (da lese ich meistens gegen) aber gut beschrieben! Man kommt leichter zum Entlüfternippel wenn man das rechte Hinterrad abnimmt.

Hintere Entlüfterschrauben haben Schlüsselweite 10, wobei man Ringschlüssel nehmen sollte - dann braucht man einen flachen (Regler) und einen gekröpften (Bremsankerplatte). Die vorderen Entlüfterschrauben sind Schlüsselweite 8, ein gerader Ringschlüssel klappt gut.

Ich hab zuerst probiert, ob lediglich hinten entlüften genügt - nö. Auch der vordere Bremskreis zieht Luft wenn die hinteren Leitungen leerlaufen. Üblicherweise geht auch die Bremswarnleuchte an (Level der Bremsflüssigkeit).

Reihenfolge war dann:

  1. Bremskraftregler
  2. Rechtes hinteres Rad
  3. Linkes vorderes Rad
  4. Rechtes vorderes Rad.

Immer schön Flüssigkeit am Behälter nachkippen (Linke Seite des Armaturenbretts, zugänglich wenn Fahrertür offen). Der Behälter ist geteilt und versorgt Kupplungs- und Bremsbetätigung gleichermaßen. Flüssigkeitsstand lässt sich gut ablesen wenn man mit einer Lampe oben reinleuchtet. Lieber einmal zu oft nachschauen, bevor zu wenig drin ist und man sich Luft ins System pumpt ...

Der Wagen sollte dazu gerade stehen (nicht einseitig aufgebockt damit sich keine Luftsäcke bilden können).



Entlüften:
  • Entlüfternippel lockern, Ringschlüssel dazu verwenden und drauflassen.

  • passend dünnen Klarsichtschlauch etwa 1 m lang anstecken am Entlüfternippel.
  • Ende des Schlauches in ein leeres Glas hängen das am Boden steht, Schlauchende soll am Boden aufliegen.
  • Behälter auffüllen bis MAX.
  • Helfer einigemale aufs Bremspedal steigen lassen (pumpen), dann am Pedal draufbleiben. Entlüftungsschraube öffnen (1/4 - 1/2 Umdrehung) und wieder schliessen. Dann wieder pumpen lassen etc. Das musst du einige Male bei jedem Rad durchführen bis nur noch klare helle Flüssigkeit kommt (trübe/dunkle ist alt). Die Flüssigkeit soll nur aus der Bremse HERAUSkommen, nicht zurückfließen - sonst zieht die Bremse eventuell Luft. Idealerweise ist dabei das Ende des Schlauches IN der Bremsflüssigkeit im Glas ...
  • Bremsentests: Wenn man während der Bremserei unterm Auto liegt hört man ganz gut ob noch Luft im System ist - die macht nämlich Lärm. Beim Pumpen bei geschlossenem Entlüfter baut sich Druck in der Leitung auf - eventuell tropft es noch wo dann muss man dort den Anschluss nachziehen. Wenn fertig dann ein paarmal pumpen (aufs Pedal steigen) und Standbremsprobe: 30 Sekunden fest auf die Bremse steigen bei laufendem Motor - das Pedal darf während dieser Zeit nicht weiter durchsacken sonst ist das System irgendwo undicht. Damit hat man vor erster Inbetriebnahme des Fahrzeuges auch schon die Bremsbeläge angelegt, die Bremse ist betriebsbereit für eine Probefahrt.

    Wenn man ein Entlüftungsgerät verwendet, muss man sich halt dort in der Bedienungsanleitung schlau machen ...
  • Ich hab am Ende der ganzen Aktion nochmal reichlich Kriechöl auf die Anschlüsse gesprüht, um die Korrosion dort möglichst hintanzuhalten.



Achtung: Wenn man beim Entlüften das Bremspedal weiter als gewönlich durchtritt, kann man ältere Hauptbremszylinder beschädigen - dort hat sich im Lauf der Jahre am Ende des Kolbenweges eine Stufe gebildet (Ablagerungen) über die der Kolben jetzt plötzlich drübersoll - was die Dichtung beschädigen kann ...plausibel ist es allerdings nur bei schon ziemlich weit fortgeschrittenem Verschleiß. Hauptbremszylinder ~270 EUR.

Wenn man nicht ALLE Luft aus dem System bekommt (gerne beim Kupplung entlüften) kann man auch auf die Selbstentlüftung vertrauen - kleine Luftblasen die an der (neuen) Leitung innen anhaften werden mit der Zeit aufsteigen und sich über den Reservebehälter verabschieden ... Schneller geht das bei Rüttelfahrt (Piste).

Noch was Interessantes: man kann man auch versuchen rückwärts zu entlüften. Dazu die Entlüftungen von Bremszange und Kupplungsnehmerzylinder mit einem langen Schlauch verbinden und beide Entlüftungen öffnen. Dann mit dem Kupplungssystem rückwärts die Bremsflüssigkeit durch das Bremssystem schieben, praktisch "im Kreis".



Gesamtdauer
 1-3 Stunden etwa (je nach "Umgebungsaufwand" wie kleine Entrostungen etc). Wenn man ökonomisch arbeitet sollten 0,25 Liter Bremsflüssigkeit ausreichen.



Noch ein paar Photos

Linke hintere Bremse - Leitung rein, Leitung raus, kein Entlüfternippel


Anschlüsse am Bremskraftregler - auf der rechten Seite (hier im Schatten) sitzt der Entlüfternippel ... mehr zu den Farben siehe ganz unten auf der Seite


Führung der Bremsleitungen vor dem Bremskraftregler


Die Schellen sind meistens ziemlich vergammelt, könnte man neu machen ...


Noch ein Bild ...


 

Zuordnung der Anschlüsse an den Bremskraftregler - nach bestem Wissen und ohne Gewähr, mehrfach geprüft und bei mir funktioniert es so:

  • 1 (rot) ist eine lange Bremsleitung die von vorne kommt und dort (vorne) an der unteren] Verschraubung angeschlossen wird. Länge der Bremsleitung 188 cm.
  • 2 (türkis) geht zum Radbremszylinder hinten, mit Schlauch und einer weiteren Bremsleitung. Leitungslänge 59 cm.
  • 3 (grün) ist eine lange Bremsleitung die von vorne kommt und dort (vorne) an der [b]oberen[/b] Verschraubung angeschlossen wird. Länge der Bremsleitung 190 cm.

Leitung 1 und 3 sind parallel am Wagenboden verlegt.
Leitung 1 (rot) ist in der Nähe der Hinterachse "innen" verlegt, also näher an der Fahrzeugmitte.
Leitung 3 (grün) ist in der Nähe der Hinterachse "außen" verlegt.

     
 
 
 
     
 
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